Rückblick: 5. Internationale MCT-Konferenz in Oxford
7.–8. September 2026 · Oxford, UK
Am 7. und 8. September 2026 fand in Oxford die 5th International Conference of Metacognitive Therapy statt. Zwei Tage lang standen aktuelle Entwicklungen der Metakognitiven Therapie (MCT) im Mittelpunkt. Das wissenschaftliche Programm umfasste Keynotes, Symposien, offene Vorträge und Posterpräsentationen sowie zum Abschluss ein Gespräch mit Adrian Wells über Gegenwart und Zukunft der MCT. Die Beiträge liefen bewusst nacheinander statt parallel – mit dem Ziel, einen gemeinsamen fachlichen Austausch über das gesamte Programm hinweg zu ermöglichen.
Weiterentwicklung von Theorie und Therapie
Adrian Wells eröffnete das wissenschaftliche Programm mit einer Keynote zu aktuellen Weiterentwicklungen der MCT. Im Zentrum stand die Frage, wie sich therapeutische Techniken unmittelbar aus der Architektur metakognitiver Kontrollprozesse ableiten lassen. Dabei ging es unter anderem um die theoretischen Grundlagen von Attention Training Technique (ATT), Detached Mindfulness und der Veränderung metakognitiver Überzeugungen. Wells betonte zugleich die Bedeutung einer engen Anbindung neuer Interventionen an das metakognitive Modell, um die wissenschaftliche und klinische Integrität der MCT zu bewahren.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Wirkmechanismen der MCT. Mehrere Beiträge beschäftigten sich damit, wann und wodurch therapeutische Veränderungen entstehen – beispielsweise mit frühen Veränderungen negativer metakognitiver Überzeugungen, unterschiedlichen Veränderungsverläufen und sogenannten „sudden gains“. Damit rückt neben der Frage, ob MCT wirkt, zunehmend auch die Frage in den Vordergrund, wie therapeutische Veränderung genau zustande kommt.
Attention Training Technique und neuropsychologische Forschung
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Attention Training Technique. Forschungsgruppen aus Dresden und Manchester stellten aktuelle Arbeiten zu ihren kognitiven und neuropsychologischen Grundlagen vor. Das Spektrum reichte von systematischen Übersichtsarbeiten bis hin zu Untersuchungen mit fMRT und pupillometrischen Verfahren. Weitere Beiträge untersuchten die zeitliche Dynamik metakognitiver Prozesse während des Aufmerksamkeitstrainings und seine Anwendung bei unterschiedlichen klinischen Problemen.
Neue und erweiterte Anwendungsfelder
Die große Bandbreite der Beiträge verdeutlichte zugleich den zunehmend transdiagnostischen Charakter der MCT-Forschung. Hans M. Nordahl widmete seine Keynote gemeinsamen aufrechterhaltenden Mechanismen bei komplexen Störungsbildern, unter anderem Borderline-Persönlichkeitsstörung, Anorexia nervosa im Jugendalter und komplexer PTBS. Weitere Symposien und Vorträge behandelten Persönlichkeitsprobleme, Zwangsstörungen, Insomnie, anhaltende Trauer, psychische Belastungen bei körperlichen Erkrankungen sowie die Verbindung von MCT und beruflicher Wiedereingliederung.
Auch die Anwendung der MCT bei Kindern und Jugendlichen bildete einen größeren Schwerpunkt. Vorgestellt wurden sowohl praktische Anpassungen des Vorgehens als auch aktuelle Studien zu Einzel- und Gruppenformaten. Daneben zeigten Beiträge zu körperlichen Erkrankungen, Post-COVID, persistierenden Beschwerden nach Gehirnerschütterung und kardialer Rehabilitation, wie breit metakognitive Modelle inzwischen klinisch untersucht werden.
Beiträge aus Deutschland

Auch aus Deutschland waren mehrere Beiträge vertreten. Michael Simons sprach über die Anpassung der MCT für Kinder und Jugendliche. Arbeiten der Dresdner Forschungsgruppe um Kristina Schwarz zur Attention Training Technique waren ebenfalls Teil des wissenschaftlichen Programms; Schwarz selbst konnte jedoch nicht persönlich an der Konferenz teilnehmen. Sebastian Pilgramm und David Goecker stellten einen metakognitiven Behandlungsansatz bei sexuellen Funktionsstörungen von Männern vor.
Ausblick
Die Konferenz zeigte insgesamt zwei Entwicklungen besonders deutlich: Zum einen wird die theoretische und mechanistische Grundlage der MCT zunehmend genauer untersucht. Zum anderen erweitert sich das Spektrum der klinischen Anwendungsfelder. Den Abschluss bildete ein Gespräch mit Adrian Wells über den aktuellen Stand und die weitere Entwicklung der Metakognitiven Therapie.